Anfang des Jahres ist der „Fleischatlas“ veröffentlicht worden. Der Atlas ist ein Kooperationsprojekt der Heinrich-Böll-Stiftung, des BUND und der Wochenzeitung Le Monde Diplomatique. Hier könnt ihr ihn Euch als PDF herunterladen oder ihn Euch als Zeitschrift im Buchladen bestellen.

Leider sind die vorgestellten Fakten nicht so lecker: Über ein Drittel der weltweit produzierten Feldfrüchte dienen als Tierfutter (Seite 16). Als erstes denkt man da an Soja, aber das ist es nicht nur. Auch Mais, Weizen und andere Feldfrüchte dienen als Futter für unsere Nutztiere. Einerseits ist hier der ganze Transport zu betrachten, also welche Mengen von Zeug wir von a nach b karren. Aber vor allem heißt das, dass wir viele Ressourcen dieser Welt an Tiere verfüttern, oder wie es so nüchtern im landwirtschaftlichen Fachjargon heißt: Die Tiere veredeln das Futter. Doch hier kommen jetzt unsere Schafe ins Spiel. Für mich sind das nämlich die eigentlichen Veredler. Unsere Schafe, und alle anderen Tiere die das es drauf haben: Das Wiederkäuen.

Wiederkäuer können anders als wir Menschen, Gras und Heu verwerten. Ein ausgetüfteltes Magensystem mit vier Mägen macht das möglich. Das zerkaute Gras oder Heu wird im ersten Magen, dem Pansen, vergärt. Eine unvorstellbare Horde an Mikroorganismen, spezialisiert auf Zellulose und co. ist hierfür zuständig. Dahinter liegt der Netzmagen, er fungiert als Sortiermaschine, was klein genug ist, durchdringt das Netz des Magens und gelangt in den Magen Nummer drei, den Blättermagen. Zu große Teile kommen in die Revision – sie werden aufgestoßen und wieder gekaut, daher auch die Bezeichnung Wiederkäuer. Was es in den Blättermagen geschafft hat wird dort hauptsächlich entwässert. Im letzten Schritt wird im Labmagen dann mithilfe von Magensäure ähnlich verdaut wie in unserem Verdauungstrakt. Dort wird auch die Milch der Lämmer verdaut, aber das ist ein anderes Kapitel.

Dieses ausgereifte Verdauungssystem ermöglicht es Futter in tierisches Eiweiß umwandeln, dass so für uns Menschen nicht essbar wäre. Das ist der große Unterschied zu Hühnern oder Schweinen – die sind nämlich auf Nahrung angewiesen, die eben auch von uns Menschen essbar wäre. Zurück zur weltweiten Produktion von Lebens- und Futtermitteln. Eigentlich wäre es also sehr einfach und man könnte behaupten: Esst die Wiederkäuer und alles ist gut – doch dann wird es leider schnell komplex…

Wiederkäuer stoßen schädliche Klimagase aus, andererseits dienen Wiesen und Weiden als wichtige CO2 Speicher, Schweine und Geflügel sind eigentlich die perfekten Resteverwerter von Speiseresten (werden aber hier so nicht mehr gefüttert), dagegen werden Wiederkäuer immer mehr mit Futtermittel wie Getreide, Soja oder Mais gefüttert…

Was der richtige Weg ist, scheint dann manchmal fast als Glaubensentscheidung, weniger Fleisch, dafür Gutes und solches, das der menschlichen Ernährung keine Konkurrenz macht? Oder hoch produktive Tiere, so dass pro Kilogramm erzeugten Fleisch eine möglichst komplexe Haltung und Fütterung nötig ist?

Fakt ist der Pro Kopf Konsum von ungefähr 60kg Fleisch pro Jahr in Deutschland (Seite 10). Und wissenschaftlich ebenso unbestritten ist, dass diese Menge nicht umweltgerecht ist. Eine nachhaltigere Ernährung muss nicht gänzlich auf Fleisch verzichten, muss die Menge aber deutlich reduzieren. Es muss sich also einiges ändern: Unsere Gewohnheiten im Fleischkonsum und unsere Tierhaltung. Ob wir das mit einer hochentwickelten Tierhaltung oder mit deutlich weniger Tieren und solchen die unsere Weiden verwerten können erreichen ist die Frage.